Was ist ein Reiseversicherungsschein?

Der Reisesicherungsschein (volkstümlich oft auch als Reisepreissicherungsschein bezeichnet) ist ein im deutschen Reiserecht bei Pauschalreisen vorgeschriebenes Versicherungsinstrument, mit welchem Anzahlungen und Restzahlungen von Reiseleistungen an Reiseveranstalter abgesichert werden müssen. Wichtig ist dabei die rechtliche Qualifizierung des Status als Veranstalter, die sich u. a. aus der Koppelung mindestens zweier ansonsten unabhängiger Reiseleistungen ergibt, also zum Beispiel Flug und Hotel. Reisebüros in Deutschland vermitteln eigentlich nur noch Reisen von akkreditierten und versicherten Veranstaltern, da nur dann sichergestellt ist, dass die Kundenanzahlungen im Falle der Zahlungsunfähigkeit abgesichert sind und bereits auf einer Reise bei diesem zahlungsunfähig gewordenen Reiseveranstalter die Rückreise sichergestellt ist.

Reiseveranstalter müssen den Reisenden bei Buchung, spätestens vor der ersten Zahlung einen Reisesicherungsschein aushändigen, auf dem die gesetzlich festgelegten Informationen über eine Versicherung gegen das Risiko einer Insolvenz des Veranstalters stehen müssen. Diese Versicherungspflicht gegen Insolvenz besteht für alle Reiseveranstalter innerhalb der Europäischen Union.

Die Pflicht, Reisesicherungsscheine bei jeder Pauschalreise mitzuliefern besteht seit 1994 im deutschen Reiserecht und ist in § 651k Bürgerliches Gesetzbuch geregelt und basiert auf der Umsetzung einer entsprechenden Richtlinie der EU. Ursächlich für die Einführung waren mehrere, teilweise spektakuläre Insolvenzen von Reiseunternehmen, die dazu führten, dass Urlauber am Urlaubsort „strandeten“ bzw. geleistete Anzahlungen verloren waren.

Verstößt der Anbieter gegen seine Pflicht, einen Reiseversicherungsschein auszustellen, kann er gemäß § 147b Gewerbeordnung (GewO) mit einem Bußgeld belegt werden. Ein mehrfacher Verstoß kann gemäß § 35 GewO zu einem gewerberechtlichen Untersagungsverfahren führen.

Ökonomisch ist der Reisesicherungsschein eine spezielle Form der Kreditversicherung. Weltweit einzigartig ist die Ausgestaltung als Pflichtversicherung. Der Versicherung, auf der der Reisesicherungsschein bezug nimmt, muss vom Reiseveranstalter abgeschlossen und bezahlt werden, wobei dieser die entsprechenden Kosten natürlich wieder in seine Kalkulation des Reisepreises einfließen lässt, sodass letztlich der Reisende, gleichgültig ob er Bedarf an dieser Versicherung hat oder nicht, diese bezahlen muss.